25 Juli 2006

Streicheln in der Tabuzone


Christian ist geistig behindert. Er hat Trisomie 21, das Down-Syndrom. Dass Menschen wie er auch Lust auf Sex verspüren, können und wollen sich die meisten nicht vorstellen. Einige wenige allerdings schon: die Sexualbegleiter. Sie gehen sogar einen Schritt weiter und befriedigen die Lust geistig Behinderter.

(Foto: Nina de Vries)

20 Juli 2006

Video: Einblicke in die Arbeit einer »Berührerin«

Während die meisten Sexualbegleiter hinter geschlossenen Vorhängen arbeiten und häufig nicht einmal ihrem näheren Umfeld von ihrer Tätigkeit erzählen, geht die gebürtige Holländerin Nina de Vries offen und ungezwungen mit dem Thema um. Weil sie Sex als „nichts Spektakuläres“ empfindet, ließ sich die 45-Jährige bei ihrer Arbeit sogar filmen. Während des Besuchs bei einem »Klienten«, der seit über zehn Jahren an Multipler Sklerose erkrankt ist, war die Kamera mit dabei – selbstverständlich mit seinem Einverständnis und dem seiner Familie. Hier ein kleiner Ausschnitt...
(Auszüge aus einem Beitrag des SWR aus dem Jahr 2000)

Hand auf's Herz und mal ganz ehrlich

Weg mit dem Blatt vor dem Mund: Ehrliche Meinungen zum Thema »Sex mit geistig Behinderten«

Wenn es um ihre Meinung zur Toleranz gegenüber Ausländern, HIV-Positiven oder Transsexuellen geht, sagen die meisten Menschen ungern die Wahrheit. Ein ähnliches Phänomen kann man beobachten, wenn die Leute nach ihrer Meinung zum Sexualleben von geistig Behinderten befragt werden. Nur im Schutz der Anonymität des Internets wagt der ein oder andere ein ehrliches Statement. Die heiße Wortschlacht der Foren-Teilnehmer reicht von „Das ist ja ekelhaft“ über "Perverser geht´s nicht“ bis zu „Auch Behinderte haben ein Recht auf Sex“...

"Bin etwas verwirrt... Meine Freundin eröffnete mir heute, sie denke darüber nach 'Sexualbegleiterin' für geistig Behinderte zu werden... ??? Da stand ich erst mal da wie geplättet. Sie hat echt ein großes Herz und arbeitet deshalb bereits in einem Heim für geistig Behinderte als Betreuerin... Aber muss man dann gleich intim mit denen werden? Ihr Argument: Jeder hat das Recht auf einen Orgasmus! Außerdem schläft sie nicht mit ihnen, sondern befriedigt sie nur manuell... Ich weiß nicht so recht... Irgendwie stellen sich bei mir bei dem Thema die Nackenhaare hoch. Wie geht´s euch?"

http://www.allround-forum.net

Keine Angst vor Berührung


Der Beruf des Sexualbegleiters steht auf der Liste der Berufswünsche bei den meisten sicher nicht sehr weit oben. Denn geistig Behinderten erotische Lustmomente zu schenken - sie zu streicheln, zu massieren oder zum Orgasmus zu bringen - können sich nur die wenigsten vorstellen. ECHT hat zwei Sexualbegleiter getroffen und mit ihnen über ihre sensible Tätigkeit gesprochen.
Wenn sie mehr über diese außergewöhnlichen Menschen wissen wollen und darüber, wie die Gesellschaft und ihr privates Umfeld mit ihrem Job umgehen, lassen Sie sich die kommende Ausgabe von ECHT nicht entgehen. Ab dem 9. August 2007 für 1,90 Euro im Zeitschriftenhandel!

19 Juli 2006

Wo finde ich einen Sexualbegleiter?

Sexualbegleiter, die auf behinderte Menschen zugehen und ihnen erotische Begegnungen und Glücksgefühle schenken, sind in Deutschland bislang noch rar gesäht. Die Schweiz ist in diesem Bereich viel fortschrittlicher und bietet sogar Sexualassistenz-Seminare an. Das Gute ist: Die schweizer »Berührer« setzen sich auch ins Auto und fahren nach Deutschland, wenn ihre Dienste gebraucht werden.
Sollten auch Sie Interesse verspüren, etwas mehr über diese Menschen zu erfahren oder deren Leistung sogar in Anspruch nehmen wollen - hier ein paar hilfreiche Links:

www.tendercare-online.de (Sabine, München)

www.fabs-online.ch (u.a. Lorenzo Fumagalli, Winterhur/Schweiz)

www.beraten-und-beruehren.ch (Marlise Santiago, Zürich/Schweiz)

Der Weg in die Sexualbegleitung

Menschen wie Nina de Vries, einfühlsam und ohne Berührungsängste, gibt es nicht viele. Doch vielleicht gehören auch Sie zu den wenigen und sind der Meinung: „Sexualbegleitung - das wäre auch etwas für mich.“ Dann gibt es hier nähere Infos zur Ausbildung:

Das Angebot von Nina de Vries richtet sich an Frauen und Männer, die sich wohl fühlen in ihrer Haut, ihren Körper mögen, gut für sich sorgen und das auch ausstrahlen. Sie haben möglicherweise eine Berufsausbildung bzw. Berufserfahrung in den Bereichen Physiotherapie, Krankenpflege, Massage, Heilpraktik, Prostitution etc. Es kann aber auch eine Hausfrau und Mutter sein, die ihre Kinder groß gezogen hat und eine neue Aufgabe sucht, oder ein Taxifahrer – das Wichtigste ist die Motivation.

Die Ausbildung findet in sechs monatlich aufeinander folgenden Blöcken von jeweils drei Tagen statt. Die Seminarteilnehmer beschäftigen sich dabei intensiv mit ihrer Motivation, ihrer eigenen Sexualität und mit dem Umgang mit Behinderten. Sie lernen Körperarbeit sowie Techniken zur Massage und Entspannung kennen. Zudem gibt es direkte Begegnungen mit körperbehinderten und wenn möglich auch mit geistig behinderten Menschen, die bereit und in der Lage sind, über ihre Bedürfnisse und Erfahrungen zu erzählen.

Jeder Teilnehmer erhält am Ende der Ausbildung ein Zertifikat der Teilnahme und eine Referenz.

Kontakt und ausführliches Infomaterial über nina_devries@web.de

Liebe mit Handicap


www.handicap-love.de

»Gerry76« nascht gern Sahnebonbons, mag das Gefühl von Sand, wenn er durch die Finger rieselt, und sehnt sich nach einer Frau, die „herrlich undramatisch“ ist. »Gerry76« ist Rollstuhlfahrer und im Internet auf der Suche nach einem Flirt – „und, wenn’s passt, auch der großen Liebe“...
Nicht alle körperlich oder geistig behinderten Menschen möchten bzw. müssen das Angebot von Sexualbegleitern in Anspruch nehmen. Wie »Gerry 76« sind sie eher auf der Suche nach einem echten Partner, mit dem sie erotische Momente erleben und teilen können. Die Internet-Flirt-Plattform Handicap-love.de für Menschen mit kleinen und größeren Behinderungen kann bei der Suche nach Zweisamkeit eine große Hilfe sein.

Der kleine Tod…

»[...] Und es kam, es war nicht mehr aufzuhalten, die Krämpfe der Sehnsucht hätten nicht mehr verlängert werden können, es kam, gleichwie wenn ein Vorhang zerrisse, Tore aufsprängen, Dornenhecken sich erschlössen, Flammenmauern in sich zusammensänken…« (aus: Thomas Mann, Die Buddenbrooks)

Nicht zu Unrecht wird der Orgasmus oft als kleiner Tod bezeichnet, den jeder zu sterben nur zu gern bereit ist. Der Verstand schaltet sich aus, die Gesichtszüge entgleiten. Der Mensch ist nur noch Körper, nur noch Lust – ganz gleich, ob behindert oder nicht.



(Quelle: www.youtube.com)